Lebensschule – Teil 2

2. Erkenne deinen eigenen Weg

In diesem Kapitel unterziehen wir Ihren Weg einer eingehenden Analyse. Wir erkennen und zeichnen Ihre individuellen Pfade nach. Denn eines ist unbestritten: Sie gehen bereits Ihren eigenen Weg, so holprig der Boden unter Ihren Füßen dabei auch sein mag.

Eingangs stellt sich wieder eine entscheidende Frage: Versuchen Sie, Ihre täglichen Wege zu visualisieren: Nehmen wir an, Ihr Tag bzw. Weg beginnt beim Aufstehen. Was sind Ihre ersten Gedanken? Fühlen Sie sich wohl dabei, wenn „Sie in den Tag starten“? Können Sie den ersten Gedanken an die tägliche Routine etwas Positives abgewinnen? Klar, tägliche Routine mutet per se negativ an. Aber sehen Sie kurze attraktive Umwege (Nischen), die Ihnen die Möglichkeit verheißen, Energie zu schöpfen und Kraft zu tanken? Oder erscheint Ihnen eher das Bild einer Sackgasse oder Einbahnstraße?

Am besten Sie machen diese Visualisierungsübung bereits morgen beim Aufstehen oder jetzt, wenn Sie vielleicht gerade zufälligerweise aufgewacht sind und die Freiheit haben, Ihren Tag mit der Lektüre eines Buchs zu beginnen! In letzterem Fall gratuliere ich Ihnen jedenfalls und ich hege die Vermutung, dass Sie – bei so viel Gelassenheit – bereits einen für Sie attraktiven Weg eingeschlagen haben.

Ja aber vielleicht wachen Sie mit Bauchschmerzen auf, die sich beim ersten Gedanken an den kommenden Tag verstärken? Dann lohnt es sich vielleicht die wesentlichen Knotenpunkte Ihres Wegs neu zu setzen! Wir werden diese Alternative weiter unten ausführlicher betrachten.

Zum Zweck der Veranschaulichung meines Modells habe ich die Wege zweier fiktiver Personen gewählt.

Damit Sie sich mit diesen Figuren besser identifizieren können, werde ich nun die beiden unterschiedlichen Identitäten möglichst exakt zeichnen:

Jan Teber, 48, 178 cm groß, durchschnitt-lich attraktiv, überdurch-schnittlicher IQ, seit vier Jahren geschieden. Hat einen vierzehnjährigen Jungen aus einer früheren Beziehung. Er ist momentan solo, doch sozial gut integriert und pflegt unregelmäßigen Kontakt zu einer 2 Jahre älteren Frau. Vor zwei Monaten hat Jan sich in die Kellnerin seiner Stammkneipe verliebt, wagt es jedoch nicht, ihr seine Zuneigung zu offenbaren.

Jan ist Verkaufsleiter, hat …

Fortsetzung Jan

…momentan keine gute Beziehung zu seinem Vorgesetzten, weshalb er die Stelle sobald wie möglich wechseln möchte. Darüber hinaus ist Jan, an seinen Qualifikationen gemessen, unterbezahlt. Er hat eine gute Verbindung zu seiner Herkunftsfamilie, doch ist der Kontakt zu seiner einzigen Schwester vor elf Jahren abgerissen. In seiner Freizeit geht er mit seinen Freunden auf ein Bier, spielt Dart und surft im Internet. Er ist ein Freund klassischer Musik.

Marina Brünner, 32 Jahre alt, sehr attraktiv, dennoch nicht zufrieden mit ihrer Figur, IQ von 132, zweifache Mutter, verheiratet. Sie selbst bezeichnet ihre Ehe als grundsätzlich glücklich, hat aber den wachsenden Eindruck, dass ihr Mann seit der Geburt des ersten gemeinsamen Kinds immer unzufriedener wirkt. Ein offenes Gespräch erscheint ihr im Moment kaum möglich. Deshalb hat das Paar vor 3 Wochen eine Therapie angefangen. Seit 2 Jahren arbeitet Marina wieder…

Fortsetzung Marina

…ganztags als Disponentin in einer mittelständischen Spedition. Die Firma ist 20 km vom Wohnort entfernt und Marina ist über die Verkehrsanbindung nicht glücklich. Ein zweites Auto kann sich die Familie nicht leisten. Die Beziehung zu ihren Arbeitskollegen ist gut. Eine Kollegin hegt aber einen unbegründeten Mobbingverdacht gegenüber Maria. Der Chef der Firma steht hinter Maria. Auch ist Maria in eine liebende Herkunftsfamilie eingebettet. Die Freizeit verbringt sie mit ihren Kindern. Einmal pro Woche geht sie mit einer Freundin ins Kino.

Im nächsten Schritt zeichnen wir einen typischen Tag der beiden Figuren nach. Im realen Alltag treten selbstverständlich Variationen und Abweichungen – je nach Wochentag und individueller Gegebenheit – vom prototypischen Tag auf, diese können natürlich berücksichtigt werden, sollten sie eine gewisse Regelmäßigkeit aufweisen.

Wenn Sie die Übung hinterher selbst ausführen, empfiehlt es sich zwei, drei typische Tage zu einem Tag zu verdichten! Falls Sie in der Situation sind, alternierend völlig unterschiedliche Tage zu erleben, dann können Sie auch mehrere Tage nachzeichnen.

Sinn und Zweck der Übung ist es, Ihre hinterlassenen Spuren aufzudecken und in der Folge das Potential zu wecken, diese zu festigen!

JAN:

Erste Spur: 8:00

Jan Teber steht auf. Er fühlt sich mittelprächtig. Kann sich mehr schlecht als recht für den Tag motivieren.

Zweite Spur: 8:30

Jan steckt – wie üblich – fest im Stau. Verkehr geht nur schrittweise voran.

Dritte Spur: 9:00

Jan begrüßt die Arbeitskollegen, auch seinen Vorgesetzten. Beim Anblick des Letzteren ist ihm nicht wohl zumute.

Vierte Spur: 12:00 Mittagspause.

Jan sitzt in der Kantine und unterhält sich mit einem Kollegen aus einer anderen Abteilung. Sie lachen sehr viel.

Fünfte Spur: 16:00

Tägliche Teambesprechung in Anwesenheit des Chefs. Jan hat das Gefühl, seine Ideen nur bedingt umsetzen zu können.

Sechste Spur: 17:00

Der Arbeitstag könnte für Jan gefühlsmäßig bereits zu Ende sein. Er quält sich durch die letzte halbe Stunde. Mal hat er noch Belangloses zu bearbeiten, mal kommen noch wichtige Aufträge auf den Tisch.

Siebte Spur: 18:30

Jan telefoniert vom Auto aus mit seinem Sohn. Dieser wirkt nicht besonders interessiert am Gespräch mit seinem Vater.

Achte Spur: 19:00

Jan trifft sich mit Freunden in seiner Stammkneipe. Die Stimmung ist gut. Es ergibt sich auch eine nette Unterhaltung mit der verehrten Kellnerin. Doch hat Jan den Eindruck, dass das Interesse seitens seiner Angebeteten nur durchwachsen ist.

Neunte Spur: 21:00

Jan ist zu Hause angekommen. Er telefoniert mit seiner Gelegenheitsfreundin, sie tauschen Freundlichkeiten aus und vereinbaren ein Treffen am Wochenende.

Zehnte Spur: 22:30

Jan nahm sich zu Anfang des Jahrs vor, sich autodidaktisch Grundkenntnisse der spanischen Sprache anzueignen, kommt mangels Zeit – so argumentiert Jan – aber kaum vom Fleck. Nach einschlägigen Online-Übungen und einer allgemeinen Internetsession überfällt ihn zumeist rasch das Gefühl von Müdigkeit.

MARINA:

Erste Spur: 7:00

Marina steht auf, weckt ihre beiden Töchter und bereitet das Frühstück vor. Sie selbst nimmt nur ein Jausenpaket für die Arbeit mit, während ihr Mann mit den Töchtern gemeinsam frühstückt

Zweite Spur: 7:45

Der Bus hatte Verspätung, doch kommt Marina gerade noch rechtzeitig in der Arbeit. Jedenfalls ist Marina verärgert ob der stressigen Situation.

Dritte Spur: 8:00

Es folgt die allmorgendliche Teamsitzung. Marina gewinnt wieder einmal den Eindruck, dass eine ihrer Kolleginnen aus Ihrer Sicht Ressentiments ihr gegenüber hegt. Sie sieht keine Möglichkeit, die Mitarbeiterin darauf anzusprechen

Vierte Spur: 11:00

Kurz vor Mittag häufen sich üblicherweise schwierigere Telefongespräche mit Lieferanten. Der Zeitdruck bei der Vergabe von Aufträgen steigt.

Fünfte Spur: 14:00

Abschließende Besprechung mit der Niederlassungsleiterin. Marina erlangt zumeist das Gefühl, ihre Aufgaben zur Zufriedenheit aller erfüllt zu haben.

Sechste Spur: 16:30

Nach dem vollendeten Arbeitstag folgt die eilige Fahrt in den Supermarkt. Marina kauft Lebensmittel für die Zubereitung des Abendessens und allfällig Nötiges für den Alltag. Sie gibt dabei im Schnitt 30 EURO aus, ist aber zumeist unzufrieden, da der Supermarkt, der auf dem Weg nach Hause liegt, nicht gut sortiert ist.

Siebte Spur: 18:00

Marina trifft sich mit ihrem Mann zweimal pro Woche beim Therapeuten. Sie schöpft Hoffnung, dass die Gespräche eine positive Wende in ihrer Beziehung bewirken und zu mehr Kommunikation führen, hegt jedoch Zweifel, ob ihr Mann ähnlich fühlt.

Achte Spur: 19:15

Marina und ihr Mann bereiten zumeist zusammen das Abendessen. Daraufhin folgen beim anschließenden Abendessen zumeist amüsante Unterhaltungen mit ihren beiden Töchtern.

Neunte Spur: 20:00

Gemeinsamer Fernsehabend. Die Wahl des Fernsehprogramms ist variabel. Doch gewinnt Marina gelegentlich den Eindruck, die Zeit besser nutzen zu können. Gerade zweimal im Monatsschnitt kommt es zu einer gemeinsamen Unternehmung wie Theater, Kino oder Abendessen. Einmal pro Woche unternimmt sie in dieser Zeit mit ihrer besten Freundin etwas.

Zehnte Spur: 22:00

Marina liest noch etwas in einem Buch und schläft daraufhin ein. Durchschnittlich zweimal in der Woche kommt es zu ehelichem Sex, den Marina allgemein als befriedigend erlebt.

Sie haben nun sicher eine Idee davon, in welcher Form Sie Ihren persönlichen Alltag schriftlich skizzieren können. Es geht dabei um immer wieder kehrende Routinen, die Ihnen teils erfolgreich gelingen und zum anderen Teil über Entwicklungspotential verfügen. Nutzen Sie folgende Formularfelder, um die dominanten Knotenpunkte in Ihrem Leben wiederzugeben. Sie können ein oder zwei Formulare ausfüllen. Wenn Sie es schaffen, Ihr Leben auf einen prototypischen Tag zu verdichten, haben Sie Struktur gewonnen. Falls, wie geschildert, Ihre Wochentage sehr different ablaufen, nutzen Sie bitte mehr als eine Vorlage!

Versuchen Sie, Ihre Routinen möglichst punktuell aufzuzeichnen (Uhrzeiten!). Selbstverständlich gibt es tägliche Abweichungen (dynamischere und verschiebbare Elemente), versuchen Sie diese aber zu vernachlässigen und entscheiden Sie sich für Knotenpunkte (durchschnittliche Werte)!

Nehmen Sie sich ein, zwei Stunden Zeit und geben Sie Ihren Alltag wieder und auch die Gefühle und Gedanken, welche Sie dabei wiederholt begleiten:

Raum für Ihre Notizen;

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