Lebensschule – Teil 3

3. Festige deine Pfade

Sie kennen vielleicht die Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (Regie: Herold Ramis) aus dem Jahr 1993 mit Bill Murray in der Hauptrolle. Der Film handelt von einem Wetteransager, der in einer Zeitschleife festhängt und immer wieder denselben Tag mit denselben Routinen durchlebt. Die Hauptfigur lernt nach und nach die Erfahrungen aus den vermeintlichen „Vortagen“ zu nutzen, wird jedoch – dies ist der tragikomische Aspekt des Filmes – durch sein Vorwissen gleichzeitig in missliche Situationen verwickelt, die sich nicht immer – wie gewünscht – lösen lassen.

Unser Ansatz ist es auch, das „Vorwissen“, also das Wissen über Ihre tägliche Routinen, welches Sie schließlich ja mit sich tragen, sichtbar zu machen und zu nutzen. Im vorigen Kapitel haben wir neben den beiden Tagesabläufen der fiktiven Figuren auch Ihren Tagesablauf punktuell wiedergegeben.

Was wir analysiert haben, versuchen wir jetzt zu optimieren. Wir durchschreiten unsere täglichen Pfade und schon alleine aufgrund der Tatsache, dass wir dies täglich bewerkstelligen, agieren wir bis zu einem gewissen Maße erfolgreich. Die Erwartungen Ihres Vorgesetzten, in die Arbeit zu kommen, werden (zumeist) erfüllt. Die Erwartung Ihres Partners/Ihrer Partnerin, dass Sie abends zu Hause sind, erfüllen Sie vielleicht auch. Viele dieser Muster spulen wir also routiniert ab. Dennoch sind wir mitunter nicht zufrieden mit den (wiederholten) Ergebnissen. Manche „Erfolgserlebnisse“ nehmen wir aber im Trubel des Alltags nicht mehr wahr, z. B. wenn es Marina allabendlich gelingt, ihre Familie um sich zu versammeln und sich in erfüllender Form miteinander über den Alltag auszutauschen.

Dennoch steckt in jedem einzelnen Knotenpunkt, in jeder einzelnen Spur – so trittsicher sie auch gesetzt wurde – weiteres Entwicklungspotential. Gelingt es Maria vielleicht, ihren Mann noch besser in die Gespräche einzubauen, lösen sich mitunter viele Probleme in der Kommunikation zwischen ihnen beiden automatisch auf und eine gute Voraussetzung für ein erfolgreiches Gelingen der Paartherapie ist von nun an gegeben.

Nehmen Sie nun Ihre Aufzeichnung des prototypischen Tags in die Hand. Wir werden nun anhand von Jans Notizen Entwicklungspotentiale für jede einzelne Spur herausarbeiten. Selbstverständlich sind damit verbundenen Interpretationen und Empfehlungen keine Grenzen gesetzt. Ich bin mir sicher, Sie werden zusätzlich zu meinen Anregungen weitere und vielleicht viel bessere Empfehlungen für Jan finden, mit denen er seinen Alltag erfolgreicher bestreiten kann.

Ich bin von zweierlei überzeugt: Wenn es Ihnen gelingt, einzelne (mitunter auch unscheinbare) Verläufe in Ihrem Alltag sichtbar zu machen und (nach und nach) gezielt an diesen zu arbeiten, wird diese Strategie einen positiven Effekt auf alle Bereiche in Ihrem Leben und Ihrer gesamten Persönlichkeit haben.

Und Sie haben ja (fast) jeden Tag die Möglichkeit, an diesen Herausforderungen zu arbeiten und aufs Neue wohlüberlegte Varianten auszuprobieren. Führen Sie sich also vor Augen: In welchem Bezug Ihres Lebens finden Sie etwas Vergleichbares?!!

Beachten Sie auch eines: Rückschläge sind verzeihbar, Fehler sind menschlich. Also: Haben Sie Mut zu gut reflektieren Experimenten und Fehlern! Wir werden in der folgenden Gegenüberstellung Jans Routinen (IST-Zustand) den zielgerichteten Entwicklungsempfehlungen gegenüberstellen. Mit + sind die Aspekte gekennzeichnet, die bereits positiv gelingen.

JAN:

Erste Spur: 8:00

Jan Teber steht auf. Er fühlt sich mittelprächtig. Kann sich mehr schlecht als recht für den Tag motivieren.

Zweite Spur: 8:30

Jan steckt – wie üblich – fest im Stau. Verkehr geht nur schrittweise voran.

Dritte Spur: 9:00

Jan begrüßt die Arbeitskollegen, auch seinen Vorgesetzten. Beim Anblick des Letzteren ist ihm nicht wohl zumute.

Vierte Spur: 12:00 Mittagspause.

Jan sitzt in der Kantine und unterhält sich mit einem Kollegen aus einer anderen Abteilung. Sie lachen sehr viel.

Fünfte Spur: 16:00

Tägliche Teambesprechung in Anwesenheit des Chefs. Jan hat das Gefühl, seine Ideen nur bedingt umsetzen zu können.

Sechste Spur: 17:00

Der Arbeitstag könnte für Jan gefühlsmäßig bereits zu Ende sein. Er quält sich durch die letzte halbe Stunde. Mal hat er noch Belangloses zu bearbeiten, mal kommen noch wichtige Aufträge auf den Tisch.

Siebte Spur: 18:30

Jan telefoniert vom Auto aus mit seinem Sohn. Dieser wirkt nicht besonders interessiert am Gespräch mit seinem Vater.

Achte Spur: 19:00

Jan trifft sich mit Freunden in seiner Stammkneipe. Die Stimmung ist gut. Es ergibt sich auch eine nette Unterhaltung mit der verehrten Kellnerin. Doch hat Jan den Eindruck, dass das Interesse seitens seiner Angebeteten nur durchwachsen ist.

Neunte Spur: 21:00

Jan ist zu Hause angekommen. Er telefoniert mit seiner Gelegenheitsfreundin, sie tauschen Freundlichkeiten aus und vereinbaren ein Treffen am Wochenende.

Zehnte Spur: 22:30

Jan nahm sich zu Anfang des Jahrs vor, sich autodidaktisch Grundkenntnisse der spanischen Sprache anzueignen, kommt mangels Zeit – so argumentiert Jan – aber kaum vom Fleck. Nach einschlägigen Online-Übungen und einer allgemeinen Internetsession überfällt ihn zumeist rasch das Gefühl von Müdigkeit.

JANs Entwick-lungspotential

Erste Spur: 8:00

+ Jan hat die Motivation aufzustehen, er hat eine Vision vom Alltag und einen Job. Diese Vision könnte noch positiver ausfallen: Vielleicht stellt er sich den Wecker etwas früher und startet mit Morgensport, gegebenenfalls mit einer interessanten Lektüre in den Tag oder er wacht auf lange Sicht wieder mit einer Partnerin an seiner Seite auf. Auch ein gutes Frühstück kann motivierend sein.

Zweite Spur: + Auch wenn der Verkehr nur zähflüssig vorangeht, Jan kommt zumeist pünktlich in der Arbeit an. Abhilfe gegen das Ärgernis könnte eine Routenänderung sein, oder Jan gelingt es, die Zeit im Stau zu nutzen (z. B. einen Audiosprachkurs zu beginnen, um sich beruflich für andere Felder zu qualifizieren), Telefonate oder die Lieblingsmusik hören, für die Jan sonst kaum Zeit findet. Langfristig könnte der Wechsel der Arbeitsstelle generell zu überlegen sein. Wir kommen auf diesen Punkt noch zu sprechen

Dritte Spur: + Er hat allgemein einen guten Draht zu seinen Arbeitskollegen und ist beliebt. Was die unterentwickelte Beziehung zu seinem Chef anbelangt, hat Jan mehrere Möglichkeiten, darunter: (a) Akzeptanz, dass man die Situation momentan nicht ändern kann oder möchte bzw. Abstraktion: Es gelingt Jan die Begegnung aus der rationalen Metaperspektive zu sehen und emotionslos als Notwendigkeit zu betrachten (vergleichbar etwa mit dem Öffnen einer Tür, um in einen Raum zu gelangen). (b) Konfrontation: Jan fokussiert seinen Vorgesetzten direkt und versucht ihn in morgendlichen Smalltalk miteinzubeziehen (z. B. „Wie war denn Ihr Wochenende?“ oder bei Fußballinteresse: „Haben Sie gestern das Spiel Bayern gegen Dortmund gesehen? – Das war wirklich ein beeindruckendes Spiel“. Dadurch hat Jan die Möglichkeit, das ihm bislang unfreundlich erscheinende Gegenüber Chef neu wahrzunehmen und mitunter Nuancen an dessen Persönlichkeit zu entdecken, die Jan mitunter zu einem positiveren Bild dieser Person verhelfen. Vernachlässigen Sie auch die Außenwahrnehmung dieser neuen Routine nicht. Jan gewinnt auf diesem Weg nicht nur ein Stück mehr Kontrolle über die Beziehung zu seinem Chef, auch seinen Kolleginnen und Kollegen wird der souveräne Umgang mit dem Vorgesetzten nicht entgehen.

Vierte Spur: 12:00 Mittagspause

+ Jan gestaltet die Mittagspause mit seinem Kollegen sehr lustvoll. Eine Optimierung ist also nicht obligatorisch. Vielleicht wäre es aber einen Versuch wert, weitere Kollegen und Kolleginnen in die Gespräche miteinzubinden, um Freunde zu gewinnen oder (weitergedacht) mitunter den ungeliebten Chef zumindest in den Kreis der engeren Bekannten eingliedern zu können. Unter Umständen ist sein Vorgesetzter dafür dankbar, mehr in die Kommunikation mit seinen Mitarbeitern eingebaut zu werden. Jan soll nicht „zimperlich“ sein, erfolgreiche Personen sind mutig und initiativ – sie fürchten den Löwen nicht, sondern bringen ihn auf die eigene Seite!

Fünfte Spur: + Hier könnten Spur 3 und 4 positiv miteinwirken. Hat Jan ein positiveres Verhältnis zu seinem Chef aufgebaut, wird dieser sensibler in Hinblick auf Jans Beiträge und Ideen sein. Jan erarbeitet sich also bereits in den vorhergehenden Spuren Lorbeeren, die er in der Spur 5 ernten kann. Er ist gut gelaunt, weil es ihm mittelfristig gelingt, Spuren 1 und 2 sicherer zu betreten. Natürlich kann Jan auch direkt in dieser Phase etwas für sich beitragen: Im gut sortierten Buchhandel findet er zahlreiche Ratgeber für überzeugendes Argumentieren, die ihm zu noch mehr Sicherheit verhelfen.

Sechste Spur: + Unter Umständen ist es Jan bereits gelungen, seinen Arbeitstag angenehmer zu gestalten. Dann werden die letzten Stunden auch komplikationsloser verlaufen. Sollten tatsächlich noch wichtige Aufträge in letzter Sekunde zur Bearbeitung in Jans Hände gelangen, dann liegt es an ihm zu beurteilen, ob diese tatsächlich noch in dieser Stunde zu bearbeiten sind. Vielleicht ist es ja nur Jans Hang zum zwanghaften Perfektionismus, das Gefühl vermeiden zu wollen, die Arbeit über Nacht liegen gelassen zu haben. Mut zum Eingeständnis der eigenen Unvollkommenheit ist angebracht. Ein anderer Schritt wäre es, von Stammkunden bzw. Lieferanten einzufordern, die Aufträge tendenziell zu einem früheren Tageszeitpunkt zu versenden. Hier ist gegebenenfalls Jans Hartnäckigkeit erforderlich, die Routinen seiner beruflichen Kontakte zur durchbrechen.

Anmerkung: Sollten all diese Bemühungen nicht auf fruchtbaren Boden fallen, stellt sich für Jan jedenfalls die konkrete Frage, ob er nicht doch die Arbeitsstelle wechseln soll. Damit würde er mitunter die Chance erhalten, auf neuen Boden erfolgreichere Schritte setzen zu können.

Siebte Spur: + Positiv ist jedenfalls der Umstand, dass der Kontakt zu seinem Sohn aufrecht ist. Dass der Sohn im Moment nicht gern mit Jan telefoniert, könnte daran liegen, dass es altersgemäß nicht attraktiv erscheint, sich mit seinen Eltern auszutauschen. Vielleicht liegen diesem Desinteresse auch Ereignisse oder Routinen aus der Vergangenheit zugrunde, die man nun neu reflektieren könnte. Jan hat die Möglichkeit, dies nun direkt anzusprechen. Eine oder wiederholte gemeinsame Unternehmungen zwischen Vater und Sohn wären eine tolle Gelegenheit, auch diese für Jan kritischen Aspekte anzusprechen. Die Lösung könnte aber auch ganz unspektakulär sein und womöglich durch die Wahl eines günstigeren Gesprächszeitpunkts für den Sohn erzielt werden.

Achte Spur: + Der Stammtisch in Jans Lieblingskneipe scheint ein liebgewonnener Fixpunkt in Jans Leben zu sein. Jan pflegt seine Kontakte und hat durch das Dartspiel auch eine sportliche Herausforderung. Dass sich der Kontakt zu der von ihm verehrten Kellnerin nicht entwickelt, liegt an Jan selbst. Auch hier würde ich dieselben zwei Strategien anregen, die wir bereits im Umgang mit Jans Chef angeregt haben: (a) Akzeptanz, dass man in Moment nichts ändern kann (bzw. Abstrahierung) und (b) Konfrontation. (a) Jan akzeptiert das distanzierte Verhältnis zur Kellnerin als langfristig und zieht sich gefühlsmäßig aus der libidinösen Verstrickung zurück. Die Anwesenheit der Kellnerin ist einfach eine für das Lokal notwendige Realität, die aber im engeren Sinn nichts mit Jans Anwesenheit zu tun hat.

(b) Selbstverständlich bietet eine Konfrontation die viel spannendere Herausforderung und da die Kellnerin Jan ja schon längst wahrgenommen haben dürfte (und womöglich auch dessen Interesse an ihr), würde ich ihm empfehlen, sein Interesse an einem näheren Kennenlernen (in nicht-alkoholisierten Zustand!) gegenüber zu bekunden. Und dies nicht innerhalb eines belanglosen Smalltalks, wie zuvor geschildert, sondern möglichst überraschend, charmant und offen. Die Kellnerin hat nun drei Optionen zu reagieren: Bejahung, Zurückweisung oder (wie oft praktiziert) durch diplomatisches Ausweichen. Bei den ersten beiden Reaktionen hätte Jan eine klare Perspektive, wonach er seine weiteren Schritte richten könnte. Aufgrund der unerfüllten Hoffnungen das Lokal zu wechseln, wäre schade, aber in Erwägung zu ziehen, falls Jan der Zustand der unerwiderten Liebe in stärkerem Ausmaß zusetzen würde. Im positiven Fall wäre in weiterer Folge eine längerfristige gemeinsame Zukunftsplanung optional. Bei einer unklaren Reaktion seitens der Verehrten bleiben Jan weiterhin beide Strategien: Akzeptanz oder wiederholte Konfrontation.

Neunte Spur: + Durch das abendliche Telefongespräch mit seiner Gelegenheitsbekanntschaft dürfte Jan sich eine gewisse Form der Zuneigung zuführen. Er ist sich nicht sicher, ob er mit der Frau eine Beziehung eingehen soll oder es weiterhin bei gelegentlichen Treffen belassen. Je nach Lebenslage kann dieser Schwebezustand mehr positive oder negative Anteile haben. Will Jan allgemein mehr Klarheit in seinem Leben, bleibt ihm nichts anderes übrig, als eine Entscheidung zu treffen – den Kontakt mit dieser Dame aufrecht zu halten und den Wunsch, womöglich eine Frau für eine engere Bindung zu finden, vorerst zu begraben oder die lose Beziehung zu beenden.

Zehnte Spur: + Jan hat sich für die späten Abendstunden sehr viel vorgenommen. Eine neue Sprache zu erlernen, ist ein lobenswertes Unterfangen und das schreibe ich jetzt nicht nur als Sprachtrainer. Dennoch bedarf dies viel Zeit und Ruhe. Über letztere verfügt Jan nach Dienstschluss ausreichend, doch was den Zeitpunkt des Studiums anbelangt, an dem sich Jans Lerneifer entwickeln sollte, da stellt sich doch die Frage, ob Jan sich nicht übernimmt. Vor dem Schlafengehen zu lernen, ist ein kluger Ansatz, dies lässt sich wissenschaftlich bestätigen. Doch sollte man vor dem Lernen eher keine neuen Lerninhalte durchnehmen, sondern wiederholen. Da sich Jan ja sonst keine Zeit nimmt, zu lernen, werden seine Bestrebungen nicht von allzu großem Erfolg gekrönt sein. Eigentlich hätte Jan die Chance, zumindest einmal pro Woche einen Sprachkurs zu besuchen, um mit Gleichgesinnten zu lernen. Noch naheliegender wäre es, zu reflektieren, welcher Lerntyp Jan ist, demnach gelingt es sicher rasch, mit der richtigen Methode das angepeilte Ziel zu erreichen. Jan ist ein sozialer Typ – das zeigt sich ohnedies in seinem Tagesablauf, da wäre doch gemeinsames Sprachenlernen eine lohnenswerte Idee.

Sehen Sie – schier unglaublich ist die Fülle an Anregungen, die man einer Frau oder einem Mann unserer Zeit auf den täglichen Weg mitgeben kann. Nach und nach, gleichgültig, wann Jan es gelingt einzelne Empfehlungen umzusetzen, werden sich seine Spuren festigen. Und vergessen Sie nicht:

Wir haben (fast) täglich die Gelegenheit, an diesen alltäglichen Herausforderungen zu arbeiten – das Entwicklungspotential ist also enorm.

Nun ist natürlich für Sie der Zeitpunkt gekommen, selbst aktiv zu werden. Oftmals erscheint es uns schwierig, Lösungen für das eigene Leben zu finden. Obwohl manche von uns vielleicht für Freunde immer einen guten Rat parat haben mögen, können sie sich selbst nicht annähernd in dieser Form helfen. Viele professionelle Berater finden tolle Lösungen im Auftrag ihrer Klienten, „scheitern“ aber selbst bei kleineren Herausforderungen des Alltags. Doch Scheitern muss nicht immer Versagen bedeuten, sondern schärft das Auge für Alternativen und verschafft einen Zugewinn an Erfahrung. Und guter Rat muss nicht immer teuer sein.

Gerade wenn es Ihnen schwer fällt, über das tägliche Entwicklungspotential zu reflektieren, empfehle ich Ihnen folgende vorbereitende Übung zu machen. Sie haben gesehen, wie ich versucht habe, Anregungen in Jans Alltag zu implantieren. Machen Sie nun dasselbe für Marina. Sie haben Marina bereits etwas kennen gelernt. Vielleicht können Sie sich sogar etwas mit ihrem Alltag identifizieren. Nehmen Sie sich Marinas Spuren also noch einmal gezielt vor! Gehen Sie Schritt für Schritt vor. Vergessen Sie nicht, jeweils die in meinem Analysebeispiel mit dem +-Symbol versehenen positiven Aspekte jeder einzelnen Spur hervorzuheben. Jede Spur trägt bereits einen positiven Kern in sich. Also starten Sie los, nehmen Sie sich dafür 30 bis 60 Minuten:

MARINAS ROUTINE:

Erste Spur: 7:00

Marina steht auf, weckt ihre beiden Töchter und bereitet das Frühstück vor. Sie selbst nimmt nur ein Jausenpaket für die Arbeit mit, während ihr Mann mit den Töchtern gemeinsam frühstückt

Zweite Spur: 7:45

Der Bus hatte Verspätung, doch kommt Marina gerade noch rechtzeitig in der Arbeit. Jedenfalls ist Marina verärgert ob der stressigen Situation.

Dritte Spur: 8:00

Es folgt die allmorgendliche Teamsitzung. Marina gewinnt wieder einmal den Eindruck, dass eine ihrer Kolleginnen aus Ihrer Sicht Ressentiments ihr gegenüber hegt. Sie sieht keine Möglichkeit, die Mitarbeiterin darauf anzusprechen

Vierte Spur: 11:00

Kurz vor Mittag häufen sich üblicherweise schwierigere Telefongespräche mit Lieferanten. Der Zeitdruck bei der Vergabe von Aufträgen steigt.

Fünfte Spur: 14:00

Abschließende Besprechung mit der Niederlassungsleiterin. Marina erlangt zumeist das Gefühl, ihre Aufgaben zur Zufriedenheit aller erfüllt zu haben.

Sechste Spur: 16:30

Nach dem vollendeten Arbeitstag folgt die eilige Fahrt in den Supermarkt. Marina kauft Lebensmittel für die Zubereitung des Abendessens und allfällig Nötiges für den Alltag. Sie gibt dabei im Schnitt 30 EURO aus, ist aber zumeist unzufrieden, da der Supermarkt, der auf dem Weg nach Hause liegt, nicht gut sortiert ist.

Siebte Spur: 18:00

Marina trifft sich mit ihrem Mann zweimal pro Woche beim Therapeuten. Sie schöpft Hoffnung, dass die Gespräche eine positive Wende in ihrer Beziehung bewirken und zu mehr Kommunikation führen, hegt jedoch Zweifel, ob ihr Mann ähnlich fühlt.

Achte Spur: 19:15

Marina und ihr Mann bereiten zumeist zusammen das Abendessen. Daraufhin folgen beim anschließenden Abendessen zumeist amüsante Unterhaltungen mit ihren beiden Töchtern.

Neunte Spur: 20:00

Gemeinsamer Fernsehabend. Die Wahl des Fernsehprogramms ist variabel. Doch gewinnt Marina gelegentlich den Eindruck, die Zeit besser nutzen zu können. Gerade zweimal im Monatsschnitt kommt es zu einer gemeinsamen Unternehmung wie Theater, Kino oder Abendessen. Einmal pro Woche unternimmt sie in dieser Zeit mit ihrer besten Freundin etwas.

Zehnte Spur: 22:00

Marina liest noch etwas in einem Buch und schläft daraufhin ein. Durchschnittlich zweimal in der Woche kommt es zu ehelichem Sex, den Marina allgemein als befriedigend erlebt.

Und nun sind wirklich Sie an der Reihe! Nehmen Sie also die Aufzeichnungen Ihres Routinetags / Ihrer Routinetage in die Hand und entwickeln Sie aus jeder einzelnen Spur heraus Empfehlungen zur Optimierung Ihrer Schritte:

Raum für Ihre Notizen:

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