Lebensschule – Teil 4

4. Den Königsweg beschreiten: Die eigene Spur sicher aufnehmen und Anker setzen

Nun, Sie haben es geschafft. Ich hoffe, Sie haben ad hoc wertvolle Erkenntnisse und den Blick auf anregende Alternativen gewinnen können.

Wenn Sie sich vielleicht bereits mit NLP befasst haben, dann haben Sie gewiss eine Vorstellung, was es mit der Anchoring-Technik (dem Setzen von Ankern) auf sich hat. Erwünschte Zustände, die Sie sich erarbeitet haben, werden an bestimmte Bilder, Geräusche, körperliche Empfindungen gekoppelt und werden dadurch leichter reproduzierbar. Diese Technik ist selbstverständlich auch in unserem Modell von Nutzen und kann zur Festigung von erfolgreichen Zuständen in dieser oder leicht abgewandelter Form dienen. Lassen Sie es mich an einem Beispiel aus Jans Alltagsroutine demonstrieren: Nehmen wir an, unserem Freund ist es gelungen ein besseres Verhältnis zu seinem Chef aufzubauen. Menschliche Beziehungen sind nie als Konstante zu betrachten. Sobald Jan also eine Vertrauensbasis mit seinem Vorgesetzten aufgebaut hat, übernimmt er auch die persönliche Verantwortung, diese zu pflegen und sein Gegenüber nicht zu enttäuschen. Hat Jan das Erfolgserlebnis – ein entspanntes gemeinsames Gespräch, – verankert, d. h. zum Beispiel im Moment einer Situation, in der beide miteinander herzhaft lachen, seinem Chef die Hand gegeben und ihm dabei dezent freundschaftlich auf die Schulter geklopft, kann er ähnliche Harmonien in Zukunft gezielt provozieren, indem er diese Geste in adäquaten Situationen wiederholt.

Selbstverständlich müssen diese Anker mit Bedacht gewählt und gesetzt sein. Sollte Jans Vorgesetzter ganz und gar kein kumpelhafter Typ sein, dann ist die Verknüpfung mit einem diskreteren und unverbindlicheren Sinnesreiz gefragt (z. B. ein kurzer fester Händedruck allein oder ein beiläufiges Zwinkern mit dem Auge). Diese Verankerungen haben nicht nur den Zweck, das Gegenüber unterschwellig in den gewünschten initiierten Zustand zurückführen zu können, sondern in erster Linie auch die Funktion, sich selbst in positive Vibrationen zu versetzen und auf der entwickelten positiven Einstellung dem Anderen sowie sich selbst gegenüber weiter aufzubauen.

Wie ein Fels in der Brandung sollten Sie letztendlich in Ihren Spuren stehen – unumstößlich und sicher, also mit totaler Kontrolle über Ihre Situation, dann betreten Sie in gefestigten Spuren den Weg zum Ziel. Sie sind der Turm in der Schlacht und werden von außen als souverän wahrgenommen. Wiederholt sich dieser Zustand in sämtlichen Spuren Ihres Alltags, dann erlangen Sie ein befreiendes Gefühl von Dominanz, einer Freiheit von Zwang.

Gleichfalls ob Sie sich für Basketball interessieren mögen oder nicht so sehr, beobachten Sie doch einmal die Performance eines erfolgreichen Center-Spielers im Basketball, der wie ein Turm in der Schlacht steht und einen Korb nach dem anderen wirft. Hervorragende Beispiele für Dominanz am Spielfeld sind etwa Shaquille O´Neal, Air Jordan oder viele andere Sportler, die Sie auf zahlreichen Videoplattformen im Internet bestaunen können und denen Sie – was deren unerbittliche Einstellung betrifft – auf Ihrem täglichen Spielfeld Leben in abgewandelter Form nacheifern können.

Ich bin überzeugt, dass es zumeist keiner außerordentlichen Qualitäten oder Techniken bedarf, um die eigenen Spuren auf dem Erfolgsweg fester zu treten, mit etwas Reflektionsgabe und gezielter Übung gelingt eine Veränderung oder Konsolidierung von bereits Erreichtem im Handumdrehen.

Bald sind Sie auf dem Königsweg und sollten Sie irgendwann am Ziel angelangt sein, d. h. dem paradiesischen Zustand, in dem Veränderungen nicht mehr notwendig erscheinen, sollten Sie in sich gehen. Für den „negativen Extremwert“, nämlich dass eine positive Wende in Ihrem Alltag aufgrund gewisser Zuständen nicht mehr zu erwarten ist, hatte ich eingangs die Möglichkeit des Ausstiegs zur Diskussion gestellt. Paradoxerweise würde ich dies für den „positiven Extremwert“, also für den Fall, dass Sie Ihren Alltag völlig beherrschen, ebenfalls anraten: Sie benötigen eine radikalen Ausstieg, ein neues Umfeld eine Klimaveränderung, welche Sie neu fordern wird – Sie sind zu Höherem geboren.

Sie sehen also, irgendwann und irgendwo treffen Verlierer und Sieger wieder aufeinander. Und wir müssen uns eingestehen, dass jeder Mensch am Ende seines Lebens eine ähnliche Erfahrung gemacht hat: Wir haben aus unserem Leben mehr oder weniger gelernt, wir alle haben aber jedenfalls unsere Spuren auf dieser Welt hinterlassen. Allerdings mit dem feinen Unterschied, dass der Weg des Erfolges meist der Annehmlichere ist, wenn wir es geschickt angehen.

Anhang:

Gastkommentar vom Klinischen Psychologen

Mag. Thomas Schaller

www.klinischer-psychologe.at

Als klinischer Psychologe beschäftige ich mich hauptsächlich mit der Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen. Nach einer gründlichen psychologischen Eingangsdiagnostik  (mittels computergestützter Diagnostik und ausführlichem Anamnesegespräch) wird ein Therapieplan erstellt, der die wesentliche Voraussetzung für einen Therapieerfolg darstellt. Aus verschiedenen Therapierichtungen  werden die geeigneten Methoden ausgewählt.

Eine ständige Fortbildung des klinischen Psychologen stellt sicher, dass die Methoden am aktuellsten Stand der Forschung sind.

Die  Methoden und die Therapeut-Patienten-Beziehung  (im Sinne von Empathie, Wertschätzung, Kongruenz und Echtheit) werden an die im Laufe der Therapie  sich immer wieder ändernden neuen Erfordernisse (z.B. veränderte Bedürfnisse des Patienten) angepasst. Schließlich erfolgte der Therapieplan am Anfang ja noch aufgrund erster Informationen.

Dennoch sollte sich das therapeutische Vorgehen wie ein roter Faden durch die Therapie ziehen. Während der Patient natürlich im Sinne des Konzepts Hilfe zur Selbsthilfe zu selbständigem Lernen ermuntert werden sollte, sollte jedoch auch die Erfahrung des Therapeuten genützt werden. Hier ist vor allem auch die Psychoedukation ein wesentlicher Punkt, d.h. die Vermittlung von krankheits- und gesundheitsrelevantem Wissen. Der Patient sollte während der ganzen Therapie natürlich auch über die Methoden und über den Verlauf der Therapie  informiert sein. So wird nicht nur das Vertrauen in den Therapeuten (z.B. in die Kompetenz des Therapeuten), sondern auch in die Wirksamkeit der Methoden gestärkt.

Entscheidend für eine erfolgreiche Therapie erscheint mir, dass der Patient durch die Sitzungen Erkenntnisse über sich selber, also über sein Verhalten, seine Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse, Persönlichkeit und nicht zuletzt über seine (belastende) Lebenssituation gewinnt. Dies kann durch die Gespräche, aber auch durch Fragebögen zur Lebensgeschichte, Persönlichkeitstests, und vor allem auch Selbstbeobachtung während der Sitzungen z.B. mittels Selbstbeobachtungsprotokollen) erfolgen. Der Patient glaubt z.B. viel mehr an die Notwendigkeit der Veränderung seiner negativen Verhaltensweisen und Einstellungen, wenn er selber zu der Erkenntnis kommt. Dadurch ist er in der Regel auch viel motivierter, seine Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern, um mehr Zufriedenheit und Wohlbefinden zu erlangen.

Besonders wichtig ist, dass von Anfang an auch an die Therapieziele bzw. auch an das Ende der Therapie gedacht wird. Der Patient sollte auf ein Leben nach der Therapie vorbereitet werden. Er sollte nach der Therapie Werkzeuge in der Hand haben, um mit  (wieder aufgetretenen) Problemen umgehen zu können und sich eventuell auch außerhalb der Therapie Unterstützung von anderen Menschen suchen.

In meiner Funktion als Berater versuche  ich hingegen, gemeinsam mit dem Klienten meist eine Lösung für ein Problem bzw. eine Antwort auf eine Fragestellung zu suchen. Der Berater hilft dem Klienten, die Situation, in der dieser sich befindet, zu verstehen und auch dessen Anteil an der Entstehung des Problems zu reflektieren.

Auch hier soll der Klient die Möglichkeiten und Chancen erkennen, die eine Verhaltensänderung bzw. eine mögliche  Änderung der Lebenssituation mit sich bringen.

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